Wie in einem aktuellen Artikel der FAZ zu lesen, bekommen deutsche Rentner nach Auswertung einer Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) weniger als andere. Die Studie mit dem Titel „Pensions at a Glance“ beruht dabei weitgehend auf Daten aus dem Jahr 2010. Nach Auswertung liegt der Wert der Rentenansprüche in Deutschland unter dem Durchschnittswert aller OECD-Länder in Bezug auf Eintrittsalter, Bezugsdauer und Rentenhöhe. Dabei wurde neben anderen Einflüssen insbesondere die sogenannte Ersatzquote ermittelt, welche den Anteil angibt, den die Altersrente im Verhältnis zum Einkommen während des Arbeitslebens ausmacht. Hierbei gibt es Länder, in denen Rentner im Rentenalter mehr Einkommen beziehen als während ihres Erwerbslebens im Durchschnitt – beispielsweise in Griechenland, wo die Netto-Ersatzquote bei 110 % liegt. In den meisten Ländern liegt die Netto-Ersatzquote jedoch unter 100 % – beispielsweise in Spanien bei 84 %, in Italien bei 76 % und in Frankreich bei 60 %. In Deutschland liegt diese Kennzahl bei ca. 58 %, was Deutschland auf die hinteren Plätze verweist – jedoch noch vor Schweden, Großbritannien und Irland. Für die so unterschiedlichen Quoten sind auch die Voraussetzungen für die Rentenberechnung mitverantwortlich – so zählen z. B. in Griechenland insbesondere die letzten 5 Jahre des Erwerblebens in besonderer Weise mit. Sie spielen hier eine entscheidende Rolle bei der Berechnung der Rentenhöhe – in Deutschland wird dabei das Einkommen während des gesamten Arbeitslebens berücksichtigt.

SÜDLÄNDER LIEGEN MIT ABSTAND VORN

Die Quoten der südlichen Länder liegen deutlich über dem ermittelten OECD-Durchschnittswert (69 %). Deutschland liegt mit seinen 58 % deutlich darunter und es wird sogar allgemein erwartet, dass die Ersatzquote hierzulande noch weiter sinkt. Hinzu kommt außerdem, dass ein deutscher Arbeitnehmer deutlich länger arbeitet, bis der Rentenbezug eintritt. Nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) beträgt die Dauer eines Arbeitslebens in der EU durchschnittlich 34,5 Jahre. Betrachtet man die einzelnen Länder, liegt Schweden mit einer Lebensarbeitszeit von durchschnittlich 40,1 Jahren vorn und Ungarn mit 29,3 Jahren hinten. In Deutschland arbeiten die Menschen ca. 36,8 Jahre bis zum Rentenbeginn – also länger als der EU-Durchschnitt. Diese Zahlen basieren ebenfalls auf 2010 – in den Folgejahren wird derzeit mit einem Anstieg der Lebensarbeitszeit in Deutschland gerechnet.

RENTENEINTRITTSALTER EBENFALLS STARK UNTERSCHIEDLICH

Die Zahl der Arbeitsjahre, um eine volle Rente beziehen zu können, variiert ebenfalls von Land zu Land stark. So müssen beispielsweise in Frankreich die Menschen 41 Jahre gearbeitet haben, um eine abschlagsfreie Rente zu erhalten – in Griechenland und Spanien genügen hingegen 35 Jahre. In Deutschland sind es 45 Jahre – dies soll auch so bleiben, wenn es hierzulande ab 2029 ein neues gesetzliches Rentenalter von 67 Jahren gibt. Das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt dabei in allen Ländern früher: In Deutschland arbeiten aktuell nur ca. 60 % der Menschen zwischen 55 und 64 Jahren und in Frankreich sogar nur 41,5 % – noch weniger sind es in Griechenland und Italien. Dementsprechend niedrig ist das tatsächliche Renteneintrittsalter: In Frankreich lag dieses in 2010 im Schnitt unter 60 Jahren, in Deutschland dagegen bei 63,5 Jahren. Die Vorteile eines früheren und längeren Rentenbezugs in anderen Ländern im Vergleich zu Deutschland hat allerdings auch eine Schattenseite: So gelten die Rentensysteme in vielen Ländern als nicht nachhaltig finanziert – in Italien und Frankreich beispielsweise erwartet die OECD drastische Rentenreformen, da schon heute mehr als 15 % des Bruttoinlandsproduktes in die Rentenkasse fließen. Andere Länder haben bereits Rentenreformschritte beschlossen, deren Auswirkungen in den Zahlen von 2010 noch nicht zu finden sind.

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